Logopädie Martin Welker
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Orofaziale Dystonien und Dysfunktionen (Myofunktionelle Störungen)

Schluckstörungen

Orofaziale Dystonien und Dysfunktionen  werden auch als myofunktionelle Störungen  bezeichnet. Myofunktionell leitet sich vom Griechischen myos = Muskel und Funktion ab. Betroffen von der Muskelfunktionsstörung (Dysfunktion) ist der Musculus orofazialis, also der Gesichtsmuskel. Als Tonus wird die Muskelspannung bezeichnet. Eine physiologische (normale, richtige) Muskelspannung wird Eutonus genannt, eine zu geringe Spannung Hypotonus und eine zu große Spannung Hypertonus. Der Begriff Dystonus umfasst sowohl den Hypotonus als auch den Hypertonus.

Orofaziale Dystonien und Dysfunktionen zeichnen sich durch eine falsche Zungenruhelage
,  eine multiple Interdentalität  sowie ein falsches Schluckmuster  aus. Bei der physiologischen Zungenruhelage befindet sich die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen am Zungenruhelagepunkt (papilla inzisiva). Diese Lage der Zunge ist wichtig für das korrekte Schlucken sowie für die Laute T, D, L und N. Da die Zunge bei myofunktionellen Störungen unten im Mundraum liegt und bei der Aussprache dieser Laute ebenso wie beim S zwischen die Zähne hindurchkommt ergibt sich eine multiple (mehrere Laute sind betroffen) Interdentalität (lateinisch inter = zwischen und dens = Zahn) sowie ein falsches (infantiles, lateinisch infans = Kleinkind oder viszerales) Schluckmuster. Dieses infantile Schluckmuster stellt sich normalerweise im Alter zwischen 3 und 4 Jahren auf das normale (somatische) Schluckmuster  um.

Falls nicht sollte dies unbedingt logopädisch behandelt werden, da die Zunge sehr kräftig ist und sonst die Zähne bei jedem Schlucken nach vorne schiebt. Dies wirkt jeder Zahnspange entgegen, die die Zähne nach hinten schiebt.
Da es sich bei der Zunge um einen Muskel handelt kann das Schluckmuster nur durch häufiges regelmäßiges Beüben des somatischen Schluckmusters  von selbst korrekt ablaufen. Diese häuslichen Übungen erfolgen stets in Absprache mit dem behandelnden Logopäden und werden einmal wöchentlich in der logopädischen Therapie kontrolliert. Daher ist die Motivation und somit die Mitarbeit des Patienten für den Therapieerfolg sehr entscheidend. Zur visuellen (Sicht-) Eigenkontrolle des Patienten empfiehlt es sich, diese Übungen vor einem Spiegel durchzuführen.  

Je früher eine logopädische Behandlung erfolgt desto besser ist dies. Da sich die fehlerhaften Laut- und Schluckmuster noch nicht sehr gefestigt haben wird dadurch die Therapiedauer erheblich verkürzt.

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